Österreichische Schule und Ordoliberalismus

Über den Smith’schen Gedanken einer „unsichtbaren Hand“, durch welche der Mensch geleitet wird, einen Zweck zu fördern, den er in keiner Weise beabsichtigt hatte, ergoss sich lange Zeit verständnisloser Hohn. Erst nach einem Jahrhundert wurde der Gedanke von Carl Menger wieder belebt. Menger konnte erstmalig deutlich machte, wie sich soziale Institutionen durch Wettbewerb und Verdrängung, also durch Variations-Selektions-Prozesse entwickeln. Damit begründete er die Theorie von der Evolution der Ordnungen.

Eugen von Böhm-Bawerk ergänzte das Werk Mengers u.a. durch die Untersuchung des Einflusses wirtschaftlicher Macht auf die Preisbildung. Die auf Carl Mengers Ansätzen aufbauenden „Österreicher“ arbeiteten zudem heraus, dass sich gesetzte Ordnungen dauerhaft nicht in einer komplexen Gesellschaft erhalten können. Ludwig von Mises „Kalkulationsproblem“ sowie F. A. von Hayeks „Wissensproblem“ waren hierbei die entscheidenden Meilensteine. Insbesondere Hayek formulierte das „österreichische Paradigma“ in umfassender Weise erneut, indem er die Entstehung und Diffusion von Wissen, die Prozesshaftigkeit sowie Komplexität im Marktgeschehen betonte. Außerdem wies er auf die Schwierigkeit des wissenschaftlichen Arbeitens mit Aggregaten hin, womit er zugleich eine Gegenposition zur Makroökonomie, insbesondere zum Keynesianismus bezog. Durch die Beiträge der „Österreichischen Schule“ (Carl Menger, Ludwig von Mises, Friedrich A. von Hayek u.a.) wurde das Wissen über die Charakteristik von spontanen Ordnungen damit Schritt für Schritt immer besser gefasst.

Carl Menger          Ludwig von Mises

    Carl Menger                                                  Ludwig von Mises

Der deutsche „Ordo-Liberalismus“ (Walter Eucken, Wilhelm Röpke, Alexander Rüstow u.a.) ergänzte diese Arbeiten, indem er die institutionellen Grundlagen der sich ausschließenden Ordnungsmuster der gesetzten und der spontanen Ordnung wieder ins Bewusstsein brachte. Insbesondere Walter Eucken zeigte, dass nicht nur Zentralverwaltungswirtschaft (als sozialistische Zwangswirtschaft oder als nationalsozialistische Kriegswirtschaft), sondern auch das Laissez-faire sowie das „Zeitalter der wirtschaftspolitischen Experimente“ (Zwischenkriegszeit) zu unbefriedigenden wirtschaftlichen Ergebnissen geführt hätte. Er schuf deshalb einen neuen Entwurf für ein Wirtschaftssystem, einer menschenwürdigen Wettbewerbsordnung. In seinen „Grundsätzen der Wirtschaftspolitik“ identifiziert er die steuernden Prinzipien dieser Wettbewerbsordnung. Insbesondere benennt er sieben konstituierende Prinzipien und vier regulierende Prinzipien. Außerdem weist er auf die unbedingte Zusammengehörigkeit dieser Prinzipien, die „Interdependenz der Ordnungen“, hin.

Auf Basis dieses Wissens errichteten Ludwig Erhard und Alfred Müller-Armack nach dem II. Weltkrieg in Westdeutschland die „Soziale Marktwirtschaft“, ein Wirtschaftssystem, welches auch in den Umbruchjahren um 1990 Vorbildcharakter hatte.

 

Quellen / Literatur:

Eucken, Walter - Grundsätze der Wirtschaftspolitik, 6. durchgesehene Auf­lage, Tübingen 1952/90.

Hayek, Friedrich August von - Die Ergebnisse menschlichen Handelns, aber nicht mensch­lichen Entwurfs, in: ders., Freiburger Studien, Tübingen 1969, S. 97-107.

Menger, Carl – Untersuchungen über die Methode der Socialwissenschaften und der politischen Ökonomie insbesondere, Leipzig 1883.