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Ordnungsdenken der Frühzeit und im Altertum
Einen weiteren Schritt in Richtung universalistischer Ordnungstheorie gingen die Stoiker, indem sie die sozialen Regeln als „natürlicher Ordnung“ in das gesamtkosmische Geschehen integrierten. So wurde die enge Polisperspektive der Klassiker erweitert. Allgemeine Menschenrechte wurden entwickelt, wie z.B. das Konzept von gleichen Eigentumsrechten jedes Menschen, also auch der Sklaven. Epikur reduzierte den Staat auf eine universelle Vertragsordnung zum Zweck gegenseitiger Nichtschädigung. Damit kann er als Erfinder des „Nachtwächterstaates“ gelten. Die römische Antike brachte zwar einerseits eine praktische ökonomische Verflechtung der gesamten bekannten Welt, andererseits aber kaum eine Weiterentwicklung ökonomischer Ideen. Vielleicht liegt das darin begründet, dass die Römer allgemein wenig wissenschaftliche Neigungen besaßen, lediglich die Rechtstheorie förderten. So verwundert es nicht, dass der einzige Beitrag der römischen Antike zur ökonomischen Ordnungstheorie aus der Staats- und Rechtslehre stammt. So ist nach Cicero der Staat insbesondere für den Schutz des unverletzlichen Eigentums zuständig. Enteignung oder Umverteilung – so Cicero – seien keine Wohltat des Staates, sondern bedeuteten eine Auflösung der moralischen Grundlagen desselben. Damit wird Cicero zum einflussreichen Theoretiker des naturrechtlich begründeten Rechtsstaates, welcher durch die Herrschaft des Gesetzes und nicht durch die Herrschaft der Menschen gekennzeichnet ist. Im mittelalterlichen Europa wurde leider über Jahrhunderte nicht mehr an der Weiterentwicklung antiker Ordnungsvorstellungen gearbeitet. Die Scholastik (z.B. Thomas von Aquin) versuchte lediglich, antike Vorstellungen von Staat und Wirtschaft – insbesondere von Aristoteles – in die Theologie zu integrieren. Während noch das römische Recht den Marktparteien bei der Preisbildung freie Hand gelassen hatte, forderte die Kirche nun einen „gerechten Preis“ (justum pretium), der durch den Tausch kostengleicher Güter erreicht würde. Es war lediglich die spanische Spätscholastik, die einen weiteren wesentlichen Beitrag zur modernen Theorie der spontanen Ordnung leisten konnte. So definierte die Schule in Salamanca den „gerechten“ Preis als Wettbewerbspreis, erklärte die Funktion des Unternehmers und leitete den Kapitalzins aus der Zeitpräferenz der Wirtschaftssubjekte her. Damit war der Handel als Institution nicht mehr moralisch bedenklich. Eine komplette Abwendung von den scholastischen Moralvorstellungen brachte aber erst der Merkantilismus.
„Der Allerschlechteste sogar, Für’s Allgemeinwohl tätig war!“ So bereitete Mandeville den Boden für die systematischen Untersuchungen spontaner Ordnungen durch die schottischen Moralphilosophen und die Vertreter der österreichischen Schule. Allerdings forderten die Merkantilisten nicht nur wirtschaftliche Freiheit des Einzelnen, sondern begründeten durch ihre Betonung geschickter politischer Eingriffe in das Wirtschaftswesen eher den modernen Interventionismus.
Quellen / Literatur: Habermann, Gerd – Ordnungsdenken – eine geistesgeschichtliche Skizze, in: ORDO, Bd. 53 (2002), 169-187. Mandeville, Bernard - Die Bienenfabel oder private Laster, öffentliche Vorteile (The fable of the bees), Frankfurt am Main 1980.
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