Die USA: Erfolge und Misserfolge der Reagonomics

Ronald Reagan (US-Präsident 1980 - 1988)Ebenfalls in den 80er Jahren durchlebten die USA eine entscheidende Wendung in ihrer Wirtschaftspolitik. Auch hier wurde eine angebotsseitige Wirtschaftspolitik durch den neuen republikanischen Präsidenten, Ronald Reagan, eingeführt. Bei seiner Amtsübernahme soll Reagan sein Wirtschafts- und Gesellschaftsprogramm so umschrieben haben: „Look guys, I don't like taxes, I don't like inflation, I don't like the Russians. Work something up!” Die daraus resultieren wirtschaftspolitische Strategie ist auch unter der Bezeichnung „Reagonomics“ bekannt geworden.

„Reagonomics“ bedeutete zuerst eine deutliche Senkung der Einkommenssteuern. Ziel der us-amerikanischen Reform war es, ein gestaffeltes System mit einem Spitzensteuersatz von 70% zu einem Flat-Tax-System mit einem einheitlichen Steuersatz von ca. 25% umzubauen. Entsprechend dem Konzept der „Laffer-Kurve“ rechnete man mit zumindest kontinuierlichen Steuereinnahmen. Die Steuerreform war zudem in ein allgemeines Wirtschaftsförderungsprogramm eingebettet. So wurde der Dollar stabilisiert und die Ausweitung des Freihandels (z.B. durch das US-Kanadische Freihandelsabkommen) unterstützt. Ähnlich wie in Großbritannien deregulierte Reagan Schlüsselindustrien wie den Energiesektor, Finanzdienstleistungen und den Transportbereich. Insbesondere diese Befreiung wirtschaftlicher Aktivitäten von behördlicher Regulierungsperfektion und Vorschriftendichte – auch im Bereich kleiner und kleinster Initiativen – ermöglichte einen deutlich höheren Wachstumspfad der us-amerikanischen Wirtschaft während der 80er Jahre. Ein weiteres Ziel war die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte („Cut back Washington!“), was v.a. die Sozialleistungen betraf. Das Budgetdefizit stieg aber trotzdem – insbesondere wegen steigender Rüstungsausgaben – weiter an.

US-Budget-Defizit bzw. Überschuss 1972 bis 2003

Quelle: Congressional Budget Office (2003)

Durch die Beseitigung zahlreicher ökonomischer Beschränkungen gelang es Reagan jedoch eine Welle technischer und ökonomischer Innovationen zu ermöglichen, welche die amerikanische Volkswirtschaft innerhalb kurzer Zeit erstarken ließen. Die Aktienkurse schnellten empor. Die Inflation ging während Reagans Amtsjahre deutlich zurück. Allerdings erkaufte die Regierung Reagan diesen Aufschwung mit einer erheblichen Zunahme des Budget- und Außenhandelsdefizits. Die als „Reagonomics“ bekannte Wirtschaftspolitik ist daher nicht nur durch ordnungspolitische Reformen, sondern gerade auch durch eine expansive Fiskalpolitik gekennzeichnet.

Was beide Konzepte – Reagonomics und Thatcherismus – gemeinsam haben, ist aber gerade für die Ordnungspolitik wichtig: die „Befreiung“ ökonomischer Aktivitäten durch Privatisierung und Deregulierung, die Senkung von Steuern und die Stabilisierung der Währung. Auch wenn die Reformen in den USA und Großbritannien insgesamt unterschiedlich bewertet werden können, zeigen sie doch deutlich, welche ordnungspolitischen Maßnahmen in sklerotisierten Wohlfahrtsstaaten von zentraler Bedeutung sind.

 

Quellen / Literatur:

Troy, G. (2004) Morning in America: How Ronald Reagan Invented the 1980s, New Jersey, Princton University Press.

Wasser, H. (1988) Die Ära Reagan: Eine erste Bilanz, Stuttgart.