Großbritannien: Der Thatcherismus der 80er Jahre

In den späten 70er Jahren des 20. Jahrhunderts war Großbritannien durch eine geschwächte Wirtschaft sowie ein umfassendes Netz von Interessengruppen gekennzeichnet. Man sprach damals von der „englischen Krankheit“. Heute, 30 Jahre später, stellt sich die Situation hingegen völlig anders dar: Sowohl Großbritannien  als auch die USA und zahlreiche andere angloamerikanische Wirtschaften, insbesondere Neuseeland und Australien, haben sich inzwischen einem kompletten gesellschaftlichen Wandel unterzogen. Dieser Prozess war zwar oft durch schwere Konflikte gekennzeichnet. Zu nennen ist beispielsweise der berühmte Streik walisischer Kohlekumpel in der frühen Thatcher-Ära. Heute profitieren diese Gesellschaften aber von ihren weniger sklerotisierten Strukturen.  

Margaret Thatcher (britische Premierministerin von 1979 – 1990)Der Thatcherismus der 80er Jahre (benannt nach der damaligen britischen Premierministerin  Margaret Thatcher) enthielt alle Leitsätze ordoliberaler Ordnungspolitik. Thatcher wandte sich gegen eine zunehmende Verstaatlichung der Wirtschaft, die Beschränkung der Marktkräfte durch staatliche Interventionen und die Macht von politisch-ökonomischen Interessengruppen, insbesondere der Gewerkschaften. Das Modell der „sozialen Demokratie“, die britische Form des Wohlfahrtsstaates, wurde von ihr als Irrweg erkannt und aufgegeben. Die entscheidenden Pfeiler der Thatcher-Reformen waren daher die Reduzierung der Macht der Gewerkschaften ("curbing the power of the trade union barons") sowie eine umfassende Liberalisierung verschiedener Wirtschaftszweige. Insbesondere die Privatisierungspolitik wurde im Verlauf der 80er Jahre zu einen „Flagschiff des Thatcherismus“. Die Bilanz dieser Politik ist beeindruckend: Der anhaltende relative Niedergang der britischen Wirtschaft konnte gestoppt werden, zwischen 1979 und 1990 wuchs die britische Wirtschaft immerhin um insgesamt ca. 27%. Durch die Beseitigung der Starrheiten auf den Arbeitsmärkten in den 80er Jahren war es zu deutlichen Verbesserungen bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze gekommen. Die Arbeitslosenquote hat sich in Großbritannien seit Beginn der 80er Jahre immerhin halbiert. Das Wohlstandsniveau in Großbritannien ist allerdings heute nur etwa Mittelmaß in Europa, was allerdings nicht unbedingt dem Thatcherismus zugeschrieben werden muss.

Arbeitslosenquote in Großbritannien 1984 bis 2003

Quelle: Department for Work and Pensions – Autumn Performance Report 2003 (Internet

Quellen / Literatur:

Brendan, E. (1999) Thatcherism and British politics, 1975 – 1999, Sutton.

Eichenhofer, E. (1999) Der Thatcherismus und die Sozialpolitik: Wohlfahrtsstaatlichkeit zu marktwirtschaftlichen Bedingungen, Baden-Baden.

Sturm, R. (1991) Thatcherismus – eine Bilanz nach zehn Jahren, Bochum.