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Erfurt, 20.09.2009 Ordnungspolitischer Kommentar
Der "Neue Methodenstreit" in der Volkswirtschaftslehre: oder Ordnungspolitik zwischen Wirtschaftskrise und Selbstreflexion in der VWL Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat nun auch endlich die Volkswirtschafslehre zu einer Selbstreflexion und zu einer Diskussion über ihre Methoden gezwungen. Das war lange überfällig. Denn seit Jahren hat sich die volkswirtschaftliche Disziplin zwar immer weiter „internationalisiert“, sich dabei aber auch von der Beantwortung realer Fragestellungen immer weiter abgekoppelt. Zu Recht muss sich jeder Volkswirt deshalb heute fragen lassen, warum niemand seiner Disziplin die Folgen der übermäßigen Spekulationen auf den internationalen Finanzmärkten vorhergesehen und rechtzeitig davor gewarnt hat. Seit dem Frühjahr 2009 kommt nun endlich eine lebhafte Diskussion über die inhaltliche Ausrichtung der Volkswirtschaftslehre, ihre Vernetzung mit anderen Disziplinen bzw. ihre zunehmende Verinselung in Gange. Heute kann vielleicht sogar schon von einem „Neuen Methodenstreit“ gesprochen werden. Dabei geht es – aus deutscher Sicht – auch um die Bedeutung der Ordnungspolitik.
Die Kontrahenten und ihre Argumente In Großbritannien war es die Queen selber, die im November 2008 während eines Besuches an der London School of Economics die Frage aufgeworfen hatte, warum kein Ökonom die Finanz- und Wirtschaftskrise vorausgesagt hätte. Damit löste sie eine kontroverse Diskussion aus. In einem Antwortschreiben bezeichneten diesen Sommer zehn führende britische Ökonomen – darunter Universitätsprofessoren ebenso wie Herausgeber internationaler Fachzeitschriften u.a. – die inhaltliche Ausrichtung der Volkswirtschaftslehre als den entscheidenden Grund. Ihrer Meinung nach hätte sich die Volkswirtschaftslehre in eine Unterabteilung der angewandten Mathematik verändert, mit nur noch geringen Berührungspunkten zur Realität. Die Ausrichtung der Disziplin auf mathematische Techniken und den Bau formeller Modell sei der entscheidende Grund gewesen, warum die Ökonomen vor der Krise keine Warnungen ausgesprochen hätten. Deshalb plädierten sie für eine breitere Ausbildung von Ökonomen, Psychologie, Wirtschaftsgeschichte etc. mit einbeziehend. In Deutschland wurde die Diskussion zu Beginn des Jahres durch einen offenen Brief der emeritierten Professoren Willgerodt und Watrin über die Wiederbesetzungspraxis an der Universität Köln begonnen. Darin prangerten sie die geplante Auflösung der Wirtschaftspolitik an der Universität und eine falsch verstandene Internationalisierung durch Aufbau eines Makroökonomischen „Departments“ an, verbunden mit Kritik an der Berufungspraxis. Das Handelsblatt sprach sogar von einem „Kölner Emeriti-Aufstand“. Die Ordnungspolitik ist im Fall der Kölner Universität ganz besonders betroffen, war diese doch über Jahrzehnte eines der wichtigsten Zentren der Ordnungspolitik in Deutschland. Hier lehrte nicht nur Müller-Armack, einer der Begründer der Sozialen Marktwirtschaft, sondern auch bekannte Ordoliberale wie Willgerodt, Watrin oder Donges. Der letzte Wirtschaftspolitiker dieser Zunft, Prof. Eekhoff, wird demnächst emeritiert. Die Kritiker der Neubesetzungspolitik in Köln befürchten, dass die Forschung in Köln zukünftig „Abstraktion höchsten Grades“ sein wird, die Modelle ohne Bezug zur Realität erbringt, aber kaum wirtschaftspolitisch verwertbare Ergebnisse. Auch daraus entwickelte sich inzwischen eine umfangreiche Diskussion, die seitdem insbesondere das Handelsblatt und die Frankfurter Allgemeine Zeitung als Plattform nutzt. Ihren Höhepunkt erreichte die Diskussion durch zwei Aufrufe von deutschen Universitätsprofessoren mit den Titeln „Rettet die Wirtschaftspolitik an den Universitäten“ bzw. „Baut die deutsche VWL nach internationalen Standards um“. Sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland stehen sich zwei Gruppen in der Diskussion diametral gegenüber, „Konservative“ und „Modernisierer“ mögen sie genannt werden. Während die „Konservativen“ das Verschwinden des Faches „Wirtschaftspolitik“ aus dem Fächerkanon der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten bedauern und auf eine Theorielastigkeit und Mathematisierung der VWL verweisen, sprechen die „Modernisierer“ von den Notwendigkeiten einer Internationalisierung und stärkeren Spezialisierung. So scheinen theoretische Modelle und mathematische Methoden für die Konservativen keine Rolle zu spielen, während die viel beschworene und nicht zu unterschätzende „Interdependenz der Ordnungen“ für die verinselt denkenden „Modernisierer“ eine unbekannte Welt zu sein scheint. Das Problem kumuliert dann in der Frage, wodurch Politikberatung unterstützt werden soll, durch ordnungspolitische Grundsatzüberlegungen oder durch die Analyse empirisch gesicherter Daten. Daneben geht es weiter um die Frage, ob nur noch Publikationen in internationalen Fachzeitschriften bei Berufungen eine Rolle spielen sollen („Modernisierer“) oder der gesamte Lebenslauf mit allen wissenschaftlichen Leistungen („Konservative“). Es soll daher an dieser Stelle gefragt werden, wie die Ordnungspolitik im Methodenstreit steht und was eine „moderne Ordnungspolitik“ für Antworten auf die aufgeworfenen Fragen hat.
Ordnungspolitik im Methodenstreit Offensichtlich befindet sich die Wirtschaftspolitik nicht nur in Deutschland auf einem Abstellgleis. Das gilt noch mehr für die Ordnungspolitik als wichtigen Teilbereich derselben, die sich in einer ausgesprochenen Krise befindet. Dies hat der Autor zusammen mit B. Seliger im Jahre 2007 bereits ausführlich dargelegt: Die Krise der Ordnungspolitik ist – so haben wir bereits damals argumentiert - eine Krise der Kommunikation ordnungspolitischer Positionen. In der Wissenschaft wurde die ordnungspolitische Lehre und Forschung konsequent zurückgedrängt, ließ dies aber auch fast widerstandslos geschehen. Angesichts der großen ordnungspolitischen Tradition Deutschlands ist eine solche Entwicklung unbegreiflich. Sicherlich hat auf Dauer ein Dualismus von einerseits „reiner“, aber wirkungsloser Wissenschaft und andererseits „pragmatischer“ Politik auch Rückwirkungen auf die Wirtschaftswissenschaften selber. Es ist demnach zu vermuten, dass es von einem „bloßen“ Umsetzungsproblem auch zu einem Erkenntnisproblem kommen kann. Dabei ist weniger an die „üblichen Verdächtigen“ wie die keynesianisch geprägten Wissenschaftler gedacht, sondern daran, dass die ordnungspolitische Tradition an den Universitäten selber als rückständig oder hinderlich gesehen wird, bestenfalls als Folklore, aber nicht mehr als Maßstab moderner Wirtschaftspolitik. Dies wird nun auch im Rahmen des neuen Methodenstreites immer deutlicher. Dabei konnte sich bisher in Deutschland, nicht zuletzt in universitären Zentren wie Köln und Freiburg, aber auch anderswo, stets eine starke ordnungspolitische Grundrichtung behaupten, auch in den wirtschaftspolitischen Forschungsinstituten, d.h. in der wissenschaftlichen Politikberatung. Das scheint nun in Köln der Geschichte zuzugehören. Die Ordnungspolitik hat heute auch gegen einen übermächtigen Gegner zu kämpfen: den neoklassischen Mainstream! Während der Keynesianismus im wesentlichen theoretisch wie auch praktisch durch die Erfahrungen der Hochinflationsperioden in den siebziger und achtziger Jahren diskreditiert war, gilt dies nicht für die neoklassische Theorie, die sogar nun als „Orthodoxie“ oder „mainstream“ in den USA unangefochten eine wissenschaftliche Monopolstellung einnehmen kann. Zwar hat die Neoklassik sich einerseits durch ein selbstreferentielles, mathematisches System von der Kritik insuliert, andererseits die kritischen, „heterodoxen“ Ansätze wie die Neue Institutionenökonomie aber in einer für sie akzeptablen Form, d.h. als Maximierungstheorie oder als Spezialgebiet, integriert. Die Fundamentalkritik am „homo oeconomicus“-Modell, wie sie von Hayek bis North geübt wurde, wurde damit entschärft. Ähnlich wurden andere Randbereiche - wie z.B. die vergleichende Ordnungspolitik (comparative economic systems) - als Spezialgebiete akzeptiert, die in dieser Form mit ihrer Kritik keine Schäden am Fundament der neoklassischen Theorie anrichten konnten. Dies ist zunächst positiv anzumerken. Die Übernahme einer immer weiter in Spezialgebiete zersplitterten Theorie führte jedoch andererseits zu einer Zurückdrängung der Ordnungspolitik als Grundlage der Wirtschaftspolitik. Mit dieser Kritik geht es nicht um eine Kanonisierung Walter Euckens oder der Freiburger Schule oder etwa der deutschen ordnungspolitischen Tradition überhaupt. Theorien haben sich zu bewähren und müssen durch neue und modernere Ansätze herausgefordert werden. Dies geschieht aber gerade nicht, wenn Ordnungspolitik in Forschung und Lehre durch immer spezialisierte Teiltheorien ersetzt wird. Aber auch eine Einteilung der Ökonomie in Theorie einerseits und Politik andererseits ist eine Zersplitterung, die nicht mehr zeitgemäß ist. Ein guter Ökonom sollte heute in beiden Bereichen seines Tätigkeitsfeldes – in Theorie und Politik – hervorragende Ergebnisse erbringen! Die Neuausrichtung der wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung und Forschung im Hinblick auf internationale Kompatibilität hat demnach durchaus viel für sich: Studenten werden dadurch international bessere Chancen erhalten, Studienzeiten können durch die Aufteilung in mehr und weniger forschungsintensive Studiengänge bei einer gleichzeitigen Reform überfrachteter Examen reduziert werden, die Forschung profitiert vom internationalen Ideenwettbewerb ebenso wie die Lehre. Allerdings führt eine Aufteilung der Ordnungspolitik in Spezialgebiete dazu, dass kein Überblick mehr über ordnungspolitische Entwicklungen gegeben wird und damit auch keine ordnungspolitische Denkweise vermittelt werden kann. Während dies in der älteren Generation der Ökonomen noch kein Problem darstellt, da sie ja selber Teil des früheren ordnungspolitischen Konsenses sind, wird dies bei der nachwachsenden Generation der Ökonomen nicht mehr der Fall sein. Damit ist nicht nur die Ordnungspolitik vom Stilverfall gekennzeichnet, sondern auch die Ordnungstheorie hat ihre grundlegende Bedeutung verloren. Letztlich richten es sich damit beide Gruppen, Politiker und Wissenschaftler, gut ein: Die einen verweisen auf die vermeintliche Wirkungslosigkeit und Orientierungslosigkeit der Ökonomie und nehmen sie zum Anlass, ordnungspolitische Prinzipien nur noch als Prinzipienreiterei zu verstehen. Das hält sie nicht davon ab, sich weiterhin auf Ludwig Erhard zu berufen und sich sogar als Erben der Sozialen Marktwirtschaft zu verstehen. Die anderen, die Wissenschaftler, sind in ihrer theoretischen Nische durch mathematische Modelle abgesichert, haben aber dadurch die Option der Umsetzung ihrer Modelle in tatsächliche Wirtschaftspolitik verloren. Je weiter die Spezialisierung der Wissenschaftler geht, um so weniger wird dann der ordnungspolitische Überblick für die Politikberatung notwendig, weil dann Partialmodelle, abhängig von der Manipulation der Annahmen, jede staatliche Politik rechtfertigen können, nach dem Motto „garbage in - garbage out“.
Die ordnungspolitische Herausforderung: „Winning the war of ideas!“ Aus Sicht eines Ordnungsökonomen sollten die Studierenden der Wirtschaftswissenschaften heute weniger mathematische Modelle der Mikro- und Makroökonomie lernen, dafür aber mehr über den Schumpeterschen Unternehmer und die innovativen Kräfte von Wirtschaftskrisen. Die Kritik am marktwirtschaftlichen System, die in den vergangenen Jahren wieder viel Zuspruch gefunden hat, würde dadurch sicher erfolgreich bekämpft. Doch welcher Weg in der Wissenschaft der richtige ist, lässt sich niemals ex ante vorhersagen. Die moderne Ökonomie mit ihrer Mathematisierung und Verinselung deshalb von vornherein aus ordnungspolitischer Sicht zu verdammen, wäre verkehrt. Stattdessen war es gerade den Ordnungsökonomen immer klar, dass sich Erkenntnisse in einem heute immer mehr international gestalteten „Wettbewerb der Ideen“ zu behaupten haben. Kann man aber bedenkenlos Poppers Vorstellung folgen, dass „die wissenschaftliche Kritik unsere Theorien oft an unserer Stelle sterben (lässt)”, also dass durch den evolutorischen Variations-Selektions-Mechanismus diejenigen Theorien eliminiert werden, die eine geringere Erklärungskraft haben? Grundsätzlich ist ein Wettbewerb der Ideen notwendig, um der Wissenschaft eine schnelle Entwicklung zu ermöglichen. International referierte Zeitschriften, die eine Vorauswahl bei der Fülle von wissenschaftlicher Literatur bieten, sind dabei notwendige und sinnreiche Hilfen. In den hochkarätigen englischsprachigen Fachzeitschriften wird es heute jedoch immer schwerer ordnungspolitische oder wirtschaftspolitische Positionen zu kommunizieren. So stellt sich aus ordnungspolitischer Sicht die Frage, ob ein fairer Wettbewerb der Ideen in der Volkswirtschaftslehre heute überhaupt gewährleistet ist. Oder in anderen Worten: können ordnungspolitische Ideen in der heutigen Welt der theoretischen und ökonometrischen englischsprachigen Journals überhaupt noch transportiert werden? Gibt es einen funktionierenden Ordnungsrahmen für den wissenschaftlichen Wettbewerb? Zwar erscheint der „Markt der Ideen“ durch die vielen Journals offen und transparent. Das ist aber nicht unbedingt auch auf den zweiten Blick so. Vielmehr kann man eine zunehmende Tendenz der Kartellisierung feststellen. Wenn es einen funktionierenden Wettbewerb der ökonomischen Theorien und der wirtschaftspolitischen Strategien gibt, sollte sich die besser an ihre Umwelt angepasste Theorie bzw. Strategie über kurz oder lang durchsetzen. Analysiert man diesen Wettbewerbsprozess mit den Axiomen der neoklassischen Theorie, ist sogar eine Art Gleichgewichtsbildung, zu erwarten. Die wissenschaftliche Theorienbildung kann hingegen auch als evolutorischer Prozess betrachtet werden. Deshalb stellt sich die Frage nach der Entwicklungsgeschichte des neoklassisch geprägten „mainstreams” in den heutigen Wirtschaftswissenschaften. Da jeder Anwender einer wissenschaftlichen Theorie zunächst in die Theorie investieren muss und desto größeren Nutzen aus ihr zieht, je größer die Zahl anderer Theorieanwender ist, kann beispielsweise von Netzwerkexternalitäten und einer Art der Pfadabhängigkeit in der wissenschaftlichen Theorienbildung ausgegangen werden. Da Investitionen in Theorien zudem „sunk costs” sind, dürften auch dynamische Ineffizienzen des Wettbewerbs auftreten sowie Phänomene der Marktmacht. Zwar sind die Gewinne und Verluste hier nicht pekuniär bestimmbar, es kann aber gleichwohl eine Analogie zur „ruinösen Konkurrenz” angenommen werden. Denn wenn umfangreiche Ressourcen in die Entwicklung bestimmter Theorien eingesetzt werden, obwohl ihr Erkenntniswert eher gering ist, bestehen Anreize für die Anwender, ihre Theorie zu schützen, um auch weiterhin von ihrer Anwendung profitieren zu können. Die Erlangung von Markmacht ist so auch für Wissenschaftler ein klares Ziel, denn sie haben stets um Ressourcen zu konkurrieren. Damit gewinnt auch die Regulierung des Theorienwettbewerbs eine wichtige Rolle. Alle diese Punkte lassen sich auch in der Entwicklung des mathematisch orientierten „mainstreams” in den Wirtschaftswissenschaften wiederfinden. Das gilt sowohl für Netzwerkexternalitäten, wie auch für Vermachtung und Konzentrationsprozesse. Beispielsweise bestehen heute kaum noch Anreize, sich mit „anderen“, innovativen Ideen in der Ökonomie zu beschäftigen, wenn man eine Karriere in diesem Wissenschaftszweig plant, denn diese Ideen in den renommierten Journals zu veröffentlichen sind schlecht. Auch wer sich mit wirtschaftpolitischen Fragestellungen beschäftigt, deren Ergebnisse ja häufig kontrovers sind im Gegensatz zu eleganten mathematischen Modellen, macht sich angreifbar und verzichtet ggf. auf hochrangige Publikationen. Somit gibt es eine Reihe theorieexterner Faktoren, welche die Entwicklung dieses „mainstreams” begünstigen, Außenseiter-Theorien aber behindern. Das gilt auch für die Ordnungspolitik, die sich im Wettbewerb der Ideen bisher nur schlecht behaupten konnte. Wenn das stimmt, müssen sich aber die Ordnungspolitiker fragen, warum das so ist. Offensichtlich wurde gerade in Deutschland, dem „Mutterland“ der Ordnungspolitik und der Sozialen Marktwirtschaft, die Internationalisierung verschlafen. Es sind also die Ordnungspolitiker selber gefragt, die Situation zu ändern, indem sie ihre Positionen auf modernem Wege versuchen zu kommunizieren.
Ausblick Bereits in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts schien die Ordnungsökonomik als veraltet. Man glaubte, Wirtschaftsprozesse durchplanen zu können. Aber bereits nach dem Scheitern der Keynesianischen Makrosteuerung in den 70er Jahren und dem Zusammenbruch des Sozialismus zu Beginn der 90er wurde das ordnungspolitische Denken wiederbelebt. Heute, in der Finanz- und Wirtschaftskrise, wurden die inhaltlichen Schwächen der modernen Mainstream-Volkswirtschaftslehre erneut aufgedeckt. Dies ist vielleicht die letzte große Chance der Ordnungsökonomik, sich wieder international Gehör zu verschaffen. Gerade in der heutigen Zeit sollten alternative Ansätze zum neoklassischen Mainstream wieder attraktiv sein. Die deutschen Ordnungsökonomen sind aufgerufen, sich so laut wie möglich – insbesondere in internationalen englischsprachigen Fachzeitschriften (Journals) – zu artikulieren, um dem Trend der Insulierung und Mathematisierung in der Volkswirtschaftslehre entgegenzuarbeiten. Dass es nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern, einen öffentlichen Streit über die richtigen Methoden in der VWL gibt, ist daher sehr gut.
Literatur: Baut die deutsche VWL nach internationalen Standards um! (2009) Aufruf, in: http://www.vwl.uni-mannheim.de/vaubel/pdf-Dateien/UnterschriftenaktionWiPolGegenaufruf%20030609.pdf. FAZ-NET (2009) Rettet die Wirtschaftspolitik an den Universitäten! – Aufruf in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in: www.faz.net (5.5.09). Goldschmidt, Nils; Wegner, Gerhard; Wohlgemuth, Michael; Zweynert, Joachim (2009) Was ist und was kann Ordnungsökonomik?, FAZ-NET, in: www.faz.net (19.6.09) Haucap, Justus (2009) Methodenstreit in der Ökonomie: Was kann die Volkswirtschaftslehre für die Gesellschaft leisten?, in: http://carta.info (22.6.09) Scheer, August-Wilhelm (2009) Verloren in der Welt der Modelle, Süddeutsche Zeitung (9.5.09). Seliger, Bernhard; Wrobel, Ralph (2007) Die Krise der Ordnungspolitik als Kommunikationskrise, Ordnunspolitischer Diskurs 2007-1, in: www.ordnungspolitisches-portal.de. Sinn, Hans-Werner (2009) Der richtige Dreiklang der VWL, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22.6.09. Storbeck, Olaf (2009a) Der Kölner Emeriti-Aufstand, Handelsblatt, in: www.handelsblatt.com (17.2.09). Storbeck, Olaf (2009b) Universität zu Köln: Von Weizsäcker stützt Kölner VWL-Kurs, Handelsblatt, in: www.handelsblatt.com (25.2.09). Wrobel, Ralph (2001) Die Bedeutung der Komplexität ökonomischer Strukturen für die Wahl wirtschaftspolitischer Strategien, in: Zeitschrift für Wirtschaftspolitik, 2001/2, S. 217 – 249.
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